Was braucht es für den Aufbau einer Sozialen Landwirtschaft?

Was braucht es für den Aufbau einer Sozialen Landwirtschaft?

Was braucht es, damit ein Projekt zur Sozialen Landwirtschaft gelingt? Lisa Distler stellte bei Ihrem Vortrag beim Fachtag "Soziale Landwirtschaft im Bezirk Unterfranken" im Oktober 2019 unterschiedliche Konzepte und Möglichkeiten vor. 

Frage nach Zeit und Geld

Für manchen Landwirt scheint der Start in die Soziale Landwirtschaft erstmal wie eine Reise in den Paragraphen-Dschungel: SGB I-XII, BTHG, Verordnungen und Ausführungsgesetze sind für viele erstmal Neuland. Daher braucht es Orientierung in diesem Wirrwarr. Eine gute Hilfestellung bietet die Frage: Wie viel Zeit habe ich für mein Projekt? Und wie gerne bin ich Landwirt? Und wie viel möchte ich investieren bzw. durch das Projekt verdienen? Je nach verfügbaren Zeitbudget und Gestaltungswunsch schränken sich die Möglichkeiten für ein mögliches Konzept deutlich ein. Mit 5 Stunden in der Woche ist es zum Beispiel nicht möglich Geschäftsführer einer Sozialen Einrichtung zu sein; aber perspektivisch vielleicht Arbeitgeber für einen Menschen mit Behinderung, der zeitliche Entlastung bringt. Bei der Entscheidung zwischen verschiedenen Konzepten sollte man neben der Geld- und Zeitfrage folgende Faktoren berücksichtigen:  

  • Wie hoch ist mein Bedürfnis nach Selbstbestimmung? Komme ich damit klar, dass z.B. erstmals fremde Menschen am Betrieb leben oder der Kostenträger Auflagen macht?
  • Mit welcher Zielgruppe möchte ich arbeiten?
  • Welche Qualifikation bringe ich mit?
  • Wie viel Bürokratie möchte ich bewerkstelligen müssen? 

 

Grundsatzentscheidung: Anbieter oder Vermieter? 

Sind diese Fragen geklärt, muss eine Grundsatzentscheidung getroffen werden: Möchte ich Anbieter oder Vermieter von Räumen für ein Soziales Angebot sein? 

Als Vermieter hat man den Vorteil, dass man ein soziales Angebot bei sich am Hof hat (ohne größeren Zeitinvest und mit geringem bürokratischen Aufwand) und Mieteinnahmen erhält. Dies ist gerade für Landwirte von Interesse, die nicht genutzte Gebäude am Hof haben. Das Problem ist hier, dass man für ein solches Projekt den passenden Partner finden muss, bei dem die Chemie stimmt. Und man muss akzeptieren, dass man auf das Angebot nur wenig Einfluss nehmen kann. 

Als Anbieter eines Angebots halten Landwirte alle Fäden in der Hand. Das heißt aber dann auch, dass man je nach Konzept, nicht nur Arbeitgeber oder Chef eines Sozialen Unternehmens ist, sondern sich auch um die Buchhaltung, das Marketing, die Organisation kümmern muss und für die Verhandlungen mit dem Kostenträger verantwortlich ist. 

 

Zielgruppe und Konzepte

Nachdem man diese Entscheidung getroffen hat, kann man sich eingehender mit der Zielgruppe beschäftigten und das passende Konzept zu den eigenen Ressourcen wählen. 

Im Bereich Kinder und Jugendliche:

  • Pflegekinder
  • Bauernhof-Kindergarten
  • Einzelwohnen Jugendlicher
  • Freizeitangebote

Im Bereich Erwerbstätige Erwachsene (mit und ohne Behinderung): 

  • Außenarbeitsplatz WfbM
  • Zuverdienstprojekt für Menschen mit Behinderung
  • Budget für Arbeit
  • Andere Leistungsanbieter
  • Arbeit auf dem Ersten Arbeitsmarkt
  • Wohnen in Gastfamilien
  • Wohngruppe
  • Freizeitangebote
  • Teilhabe am Arbeitsleben

Im Bereich Senioren

  • Betreutes Wohnen
  • Ambulant betreute Wohngemeinschaft
  • Angebote zur Entlastung im Alltag
  • Tagespflege
  • Urlaub auf dem Bauernhof

 

Gesetze und Informationen

Zu dem jeweiligen Konzept gibt es in der Regel einen Paragraphen in einem der zwölf Sozialgesetzbücher. Von dort aus kann man sich weiter über die Zuständigkeiten von Kostenträgern informieren und nach Hilfe bei der Zulassung bzw. Gründung eines Angebots suchen. Wichtig ist es frühzeitig den Kontakt zum zuständigen Kostenträger zu suchen und sich eingehend über dessen Anforderungen zu informieren. 

 

Fazit 

Letztlich macht Lisa Distler allen Betrieben Mut: Denn ja, es ist eine Frage des Geldes und der Zeit, aber für jede und jeden gibt es das passende Modell in der Sozialen Landwirtschaft!

 

Lisa Distler begleitet im Projekt EiP-Agri in Bayern elf landwirtschaftliche Betriebe auf dem Weg zur Sozialen Landwirtschaft und steht Ihnen gerne für Rückfragen zum Artikel zur Verfügung. 

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